Andrea Hahnfeld

Wann genau hast du mit dem Schreiben angefangen?

Ich habe schon immer gerne geschrieben. Als Kind habe ich mir eigene Märchen ausgedacht. Außerdem habe ich in der Schulzeit Aufsätze geliebt und kann mich erinnern, dass meine oft vorgelesen wurden. Dennoch war ich gerade in der Grundschule eher schlecht in Deutsch, vor allem im Diktat. 

Welche Stärken zeichnen dich und deine Arbeitsweise aus?

Disziplin ist meine größte Schwäche, das regelmäßige Arbeiten meine größte Herausforderung. Allerdings habe ich den Vorteil über viel Ausdauer, eine hohe Frustrationsschwelle und großen Lerneifer zu verfügen. Diese Stärken setze ich beim Schreiben ein. Dadurch ist unter anderem auch mein Blog The Story To Be entstanden.

Es motiviert mich während des langwierigen Schreibprozesses Gelerntes zusammenzufassen und darüber zu bloggen, wie ich Probleme angehe. Einerseits verzögert diese Herangehensweise natürlich das Schreiben des eigentlichen Buches. Andererseits sehe ich durch den Blog meine (Lern-)Fortschritte – und das wiederum hält mich bei der Stange.

Spielt das Schreiben auch in deinem beruflichen Leben eine Rolle?

Ich verdiene mit Schreiben mein Geld. Allerdings nicht immer mit kreativem Schreiben. Ich habe Germanistik und Anglistik studiert, schon im Studium zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten geschrieben und diese auch veröffentlicht. Daneben habe ich eine Zeitlang Werbe- und Lehrbuchtexte sowie Produkttexte verfasst.

Jetzt arbeite ich halbtags im Kundendienst der Schreibapp Ulysses. Dort schreibe ich täglich Emails, in denen ich unseren Kundinnen bei Fragen rund um die App weiterhelfe.

Die andere Hälfte des Tages arbeite ich an meinem ersten Roman sowie an meinem Blog. Obwohl ich viel schreibe, sind die Textsorten sehr unterschiedlich. Ich befasse mich deshalb so intensiv mit dem Schreiben von Romanen, weil ich gemerkt habe, dass mich kreative Langtexte vor ganz neue Herausforderungen stellen. Beim Schreiben fiel mir auf, dass mir für diese Textsorte das notwendige Know-How fehlt. Das versuche ich nun zu ändern.

Welches Schreibzitat magst du besonders und warum?

Find your way as a noodle. 
Natalie Goldberg

Das Zitat stammt aus der Jubiläumsedition des Schreibratgebers Writing down the Bones. Dort gibt es ein Interview, in dem Natalie gefragt wird, wie man denn schreiben könne, wenn man nur die Disziplin einer weich gekochten Nudel hätte. Natalie sagte daraufhin lachend, dann müsse man seinen Weg als weich gekochte Nudel finden. Ich fand diesen Spruch wunderbar, weil er genau mein Problem auf den Punkt bringt. Darum habe ich ihn zu meinem Leitspruch gemacht.

Wie kam es, dass du ein Buch schreiben wolltest?

Ich habe das Ziel eigentlich schon seit der Oberstufe. Oder ich sollte vielmehr sagen: den Traum. Denn um ein Ziel zu erreichen braucht es Schritte und einen Umsetzungsplan. Den habe ich aber erst seit 2017. Da habe ich begonnen, die notwendigen Skills und Kompetenzen fürs kreative Schreiben zu entwickeln. Zum Beispiel wie man eine Geschichte plottet und wie man eine Schreibroutine entwickelt. Davor hatte ich immer nur Ideen gehabt, ein paar Kapitel geschrieben und dann wieder aufgehört. Häufig habe ich was Neues angefangen, weil die Geschichte irgendwie nicht so aufs Papier kam, wie ich mir das gedacht hatte. Am weitesten bin ich Anfang 20 mit einem lustigen Frauenroman gekommen. Da hatte ich ca. 80 Seiten geschrieben, bevor das Ding in der Schublade gelandet ist. Aktuell sind Anfänge von zwei weiteren Geschichten in der Pipeline sowie unzählige Fragmente von Kurzgeschichten.

Ich litt also unter einem Problem, mit dem viele beginnende Autorinnen kämpfen: Ich habe Projekte nicht zu Ende gebracht. Seit ich verstehe, dass genau dieser Umstand mein Hauptproblem ist, versuche ich Projekte abzuschließen. Besonders ein Zitat von Neil Gaiman, einem meiner Lieblingsautoren, hat mich nachdenklich gestimmt:

You learn more from finishing a failure than you do from writing a success.
Neil Gaiman

Genau das habe ich mir jetzt zum Ziel gemacht. Ich will die bestmögliche Version von Jelina & Jaro bis zum Ende fertig schreiben – mit allen Schreibphasen die bis zu einer Veröffentlichung dazugehören. Ich möchte mich handwerklich verbessern und lernen, wie ich eine Geschichte fertig schreibe. Ich habe mir also ein Ziel gesetzt, das ich weitgehend kontrollieren kann. Ob das Buch nach der Veröffentlichung Erfolg hat oder nicht, ob die Geschichte vielen gefällt oder nur wenigen, steht auf einem anderen Blatt und ist mir nicht so wichtig.

Wie lange hat der Schreibprozess bei deinem ersten veröffentlichten Roman gedauert?

Der Schreibprozess dauert noch an. Die Idee zu meinem ersten Roman Jelina & Jaro (Arbeitstitel) hatte ich 2015 während meines Auslandssemesters in Stellenbosch. Das Internet funktionierte häufig nicht, es gab kein Fernsehen – und die Langeweile brachte mich dazu, mit Jelina & Jaro anzufangen, die damals noch Elli & Finn hießen. Ich habe – wie gewöhnlich – einfach drauflos geschrieben. Nach ein paar Kapiteln stand ich vor dem üblichen Problem: Die Geschichte wurde irgendwie nichts.

Also habe ich wieder etwas anderes angefangen. Dann kam eine Masterarbeit dazwischen, die ich im Mai 2018 abgeschlossen habe. Nach dem Studium hatte ich sozusagen keine Ausrede mehr, nicht richtig mit dem Schreiben anzufangen. Also habe ich Kurzgeschichten geschrieben (um eine Schreibroutine zu entwickeln), parallel Schreibratgeber gelesen und mich mit positiver Psychologie befasst. Durch die Beschäftigung mit positiver Psychologie entwickelte sich dann auch der Vorsatz, ein Buch von der Idee bis zur Veröffentlichung zu bringen. Ich habe mir vorgenommen, nicht aufzuhören, bis dieses Ziel erreicht ist. Ganz ohne Nebenprojekte hat es dann doch nicht geklappt. Es gibt den Blog, ein Märchen und eine Kurzgeschichte — alle sind sozusagen “Abfallprodukte” auf meinem Weg, den ersten Roman zu schreiben. Auch das Schreibenlernen kann sehr produktiv sein, wenn man die Zwischenschritte festhält und abschließt. Darum habe ich mir auch für meine Nebenprojekte zur Devise gemacht, sie abzuschließen. Keine halben Sachen mehr. Zwar verstehe ich selbst die Nebenprojekte nur als Etappen auf meinem Weg zum ersten Roman. Aber diese Nebenprojekte sind dann doch ”versehentlich” meine ersten Veröffentlichungen geworden. Im April 2021 habe ich die Erzählung The Marvelous Misfits of Westminster im Selbstverlag veröffentlicht. Im Mai 2021 wird Der Baum und das Mädchen erscheinen. Die Arbeit an Jelina & Jaro läuft aber weiter. Nach der Rohfassung, die ich von September 2018 bis Januar 2020 geschrieben habe, habe ich beschlossen, dass ich erstmal das Handwerk lernen muss. Damit der nächste Entwurf besser wird. Das habe ich von November 2019 bis November 2020 getan. Aktuell bereite ich den Plot für den Re-Draft meines ersten Romans vor. Seit März 2021 besuche ich die Romanschmiede bei Lea Korte.

Welcher handwerkliche Aspekt des Schreibens fordert dich am meisten heraus? Was hilft dir dabei, dich in diesem Aspekt zu verbessern?

Für mich stellt jeder handwerkliche Aspekt eine Herausforderung dar. Ich bin sozusagen Anfängerin. Obwohl ich auch denke, beim Schreiben lernt man nie aus. Je mehr ich mich mit einem Thema beschäftige, umso weiter wird das Lernfeld und umso mehr Lernbedarf sehe ich bei mir selbst. Plotten fällt mir aber eher leicht (was natürlich auch daran liegen könnte, dass ich ein Opfer des Dunning-Kruger-Effekts bin).

Für mich ist auf meinem jetzigen Kompetenzstand die Umsetzung der Idee in einen erzählenden Text am schwierigsten. Vor allem gute Beschreibungen gelingen mir sehr oft nicht in der ersten Fassung. Manchmal vergesse ich sogar einfach Orte oder Figuren zu beschreiben. Ich habe schon oft das Feedback von Leserinnen bekommen, dass sie nach dem Lesen meiner Texte keine klaren Bilder im Kopf haben. Daran habe ich gearbeitet und laut Feedback bin ich schon deutlich besser geworden. Ich denke, das Problem liegt oft daran, dass ich mir nicht genug Zeit nehme, vor dem Schreiben Szenen zu visualisieren.

Außerdem finde ich es schwierig, Szenen interessant zu gestalten. Es gibt immer wieder langweilige Momente zwischen spannenden Teilen. Langsam verstehe ich aber, dass diese Stellen Indikatoren für handwerkliche Fehler sind.

When you are bored with your writing, I believe that it’s probably because you are not writing scenes.
Ayelet Waldman

Dieses Zitat war für mich sehr hilfreich. Wenn’s langweilig wird, schaue ich mir jetzt genauer an, was ich eigentlich geschrieben habe: Ist es noch eine Szene oder bereits ein langweiliger Infodump? Oft stelle ich dann fest, dass ich ins Erzählen abgerutscht bin und vergessen habe zu zeigen, was ich erzählen wollte.

Tell by showing should be the golden rule.
Richard Blanco

Für mich ist das Schreibenlernen gerade ein faszinierendes Fass ohne Boden. Es macht mir viel Spaß mich mit den verschiedenen Aspekten theoretisch und praktisch auseinanderzusetzen. Früher war ich immer sehr demotiviert beim Gedanken etwas neu schreiben zu müssen. Seit ich das Schreiben als Lernprozess betrachte und versuche in jeder Fassung handwerkliche Aspekte zu verbessern, habe ich mich mit den Überarbeitungsphasen versöhnt. Natürlich steht man immer noch vor einem gewaltigen Berg, aber es fühlt sich anders an.

Welche Schreibphasen findest du besonders anstrengend? Wie motivierst du dich weiterzumachen?

Gerade befinde ich mich im Re-Draft und das finde ich schon eine schwierige Phase. Zu wissen, dass ich nochmal komplett von vorne anfange, das blockiert mich schon etwas. Ich motiviere mich durch Lernen. Schreibratgeber inspirieren mich und machen mir Mut, nicht aufzugeben. Ich habe dadurch gelernt, dass zum Schreiben auch Phasen des Nicht-Schreiben gehören. Sie sind Teil des Prozesses. In einer solchen Phase befinde ich mich gerade. Ich mache mir viele Notizen zum Verlauf meiner Geschichte, mache einen Kurs zum Plotten (The Advanced Story Puzzle) und halte alles schriftlich fest, woran ich arbeite.

Ich experimentiere auch mit einem Schreibjournal, in dem ich nach der Arbeit festhalte, was gut oder schlecht gelaufen ist. Durch die Dokumentation des Prozesses visualisiere ich Fortschritte, die ansonsten unsichtbar bleiben würden: Lern- und Denkphasen, die auch zum Schreiben gehören. Hält man sie nicht fest, bekommt man in selbstzweiflerischen Momenten immer den Eindruck, man hätte nicht an seinem Projekt gearbeitet. Hauptsächlich versuche ich zu lernen mich selbst zu akzeptieren. Dabei hilft natürlich, dass ich schon Erfolge habe – wenn auch auf anderem Gebiet. Ich weiß, dass ich in der Lage bin, ein größeres Projekt abzuschließen. Ich habe bereits mehrere Masterarbeiten geschrieben – und zwar über Jahre hinweg. Ich versuche mir Zeit zu geben, das kreative Schreiben zu lernen. Es ist eine komplett andere Art zu schreiben und ich akzeptiere, dass es mir weniger leicht von der Hand geht als anderen. Ich versuche meinen Weg zu gehen, auch wenn er eher verschlungen ist. Bei mir geht’s nur scheinbar nicht voran. Ich weiß, dass ich mich – wenn auch in Babyschritten – auf mein Ziel zubewege. Mit anderen Worten: Ich versuche Vertrauen in mich selbst und in meinen Prozess zu haben. Zugegeben, das ist nicht immer leicht. Ich bin nämlich auch sehr ungeduldig und gehöre eher zu den Autorinnen, die es hassen zu schreiben, aber lieben geschrieben zu haben. Zusätzlich versuche ich auch äußere Strukturen zu schaffen, die mir helfen, mein Ziel zu erreichen. Ich bin Teil einer Autorengruppe. Ich besuche Kurse und ich nehme an Workshops teil, in denen ich mein Buchprojekt mit anderen bespreche. Dadurch habe ich regelmäßige Deadlines für Zwischenschritte.

Hast du vor oder während des Schreibens am ersten Buch einen Schreibkurs besucht? Was hast du dort gelernt, das dir am meisten geholfen hat?

Ich lese schon länger Schreibratgeber. Früher habe ich die Ratgeber in Buchform gekauft, aber nur darin herumgeblättert, weil ich mich kaum darauf konzentrieren konnte. 2016 habe ich dann Hörbücher für mich entdeckt. Gerade im amerikanischen Sprachraum gibt es zahlreiche Schreibratgeber, die eingesprochen sind. Angefangen habe ich mit dem The Writing Productivity Bundle von Monica Leonelle. Inspiriert von The 8 Minute Writing Habit, habe ich begonnen mir ganz kleine Ziele zu setzen. Das hat mir die Augen geöffnet. Regelmäßiges Schreiben – auch wenn es nur ein paar Sätze sind – bringt einen wesentlich sicherer ans Ziel als einmal in der Woche stundenlang zu schreiben. Weil man letzteres meistens dann doch nicht tut. Ich habe dann angefangen, an meiner Schreibroutine zu arbeiten und täglich an kleinen Geschichten oder Romanentwürfen geschrieben. Für mich waren diese Schreibratgeber wirkliche Triebfedern. Gerade die Bücher, die kreatives Schreiben als erlernbar darstellen und praktische Tipps an die Hand geben. Deutschsprachige Ratgeber sprechen mich dagegen kaum an. Dort geht es häufig um Inspiration und darum, Literatur zu schreiben. Ich möchte aber Bücher schreiben, die mich selbst interessieren. Das sind meist keine “literarischen” Werke. Als Autorin muss man vor allem lernen, dass Schreiben nichts mit Inspiration zu tun hat. Es geht gerade darum zu schreiben, wenn man sich gar nicht danach fühlt. Es geht darum, eine Routine zu finden, mit der man regelmäßig Wörter aufs Papier bringt.

2019 habe ich auf Coursera den Kurs “Kreatives Schreiben” entdeckt, der mich nochmal ein ganzes Stück nach vorne gebracht hat. Ich hatte zwar immer mit der Schule des Schreibens geliebäugelt, aber die war mir zu teuer. Also hatte ich mich erstmal für Coursera entschieden, um überhaupt zu sehen, ob ich dranbleibe. Das Format war für mich genau richtig: Kurze Videos, Schreibaufgaben zu verschiedenen Aspekten und Feedback von Mitstudierenden. Die Kursinhalte und Schreibaufgaben habe ich in meinem Blog verarbeitet. Dort sind auch die Texte zu lesen, die ich für die Schreibübungen verfasst habe. Durch den Kurs habe ich vor allem eines gelernt: überarbeiten.

I probably spend 90% of my time revising what I’ve written.
Joyce Carol Oates

Ich habe früher immer viel zu früh mit dem Überarbeiten aufgehört. Rückblickend würde ich sagen, dass ich maximal saubere erste Entwürfe geschrieben habe. Rechtschreibfehler weg, Grammatik korrigiert. Das war’s. Damit ein Text sich jedoch weiterentwickeln kann, muss man in überarbeiten. Und zwar häufig. Für das Abschlussprojekt habe ich meinen Text 9x massiv überarbeitet. Und insgesamt von 25 Leserinnen Feedback eingeholt. Konstruktives und kritisches Feedback braucht es vor allem, um problematische Textstellen überhaupt zu identifizieren. Kaum zu glauben, aber um Feedback habe ich vor dem Kurs fast nie jemanden gebeten. Ich hatte mich immer gescheut meine Texte vorzulesen. Weil man mit kreativen Texten immer auch etwas von sich selbst preisgibt. Das hat sich mit dem Kurs und den Autorengruppen, die ich besuche, komplett geändert. Vor allem, weil heute klar ist: Jeder steht mit seinem Text vor genau denselben Problemen. Keiner schreibt einen supertollen ersten Entwurf. Professionelle Autoren geben sich nur weniger schnell zufrieden. Sie zeigen ihre Texte und holen Feedback ein.

A professional writer is an amateur who didn’t give up.
Richard Bach

Wie sieht deine aktuelle Schreibroutine aus? Was tust du, um wieder ins Schreiben zu kommen, wenn du deine Routine mal unterbrochen hast?

Gegenwärtig arbeite ich morgens an meinen Projekten. Je nach Schreibphase sieht die Arbeit anders aus. Als ich die Rohfassung geschrieben habe, habe ich jeden Tag geschrieben. Ich hatte es mit Wortzielen und Zeitzielen versucht, aber das hat bei mir nicht so gut funktioniert. Ich war zu der Zeit auch sehr gestresst und nicht so belastbar. Darum habe ich mir – wie Monica Leonelle empfiehlt – ein Miniziel gesetzt. Jeden Tag schreiben und wenn’s nur ein Satz ist. So habe ich dann von Februar 2019 bis November 2020 meine Rohfassung geschrieben. Für mich war das ein wichtiger Schritt, denn so weit bin ich noch nie gekommen. Aber mir war auch klar: Wenn ich die zweite Fassung mit denselben Kompetenzen schreibe, dann wird sie nicht wirklich besser als die erste. Also bin ich jetzt am Punkt mich handwerklich weiterzuentwickeln. Vormittags mache ich Kurse oder höre Podcasts zum Thema, mache mir Notizen zu Ideen und halte das Gelernte fest. Bis Mai 2021 will ich den Plot für den Re-Draft von Jelina & Jaro fertig haben. Meine Schreibroutine ist also eher eine Arbeitsroutine. Und die versuche ich nicht zu unterbrechen. Auch im Urlaub nehme ich mein iPad mit und schreibe ein bisschen. Aber am Wochenende nehme ich mir allerdings auch mal frei. Und wenn ich doch mal rauskomme aus der Routine, versuche ich mit Minimalzielen wieder einzusteigen. Jeden Tage ein bisschen bringt sehr viel mehr als einmal die Woche viel – zumindest bei mir ist das so.

Holst du dir Feedback zu deinen Texte ein?

Die Rohfassung habe ich weitgehend unabhängig geschrieben. Ich wollte die Geschichte und meine Ideen erst einmal für mich sortieren. Nur für die vierseitige Zusammenfassung habe ich mir Feedback eingeholt. Beim Re-Draft wird das anders sein. Da möchte ich jeden Schritt besprechen, ehe ich mit dem Schreiben der zweiten Fassung beginne, um die Probleme der Rohfassung zu vermeiden. Fremde Augen sehen Schwachstellen in der Geschichte viel klarer. Außerdem wurde in einem Schreibseminar, das ich besucht habe, vorgeschlagen bei Schreibproblemen einfach viel früher Feedback einzuholen und nicht erst, wenn alles quasi schon in Stein gemeißelt ist. Für mich klang dieser Vorschlag logisch. Beim Plotten der Geschichte können kritische Punkte leichter geändert werden als wenn schon eine Fassung geschrieben ist.

Nutzt du ein Schreibprogramm? Wenn ja, welches?

Ich benutze mehrere Schreibprogramme. Für den Plot des ersten Entwurfs habe ich das Programm von The Snowflake Method benutzt. Für den Szenenplan das Programm von Save the Cat. Die Rohfassung selbst habe ich in Scrivener geschrieben. Aktuell schreibe ich mit Ulysses und erstelle den zweiten Plot mit Plottr und Aeon Timeline. Wie man bemerkt, bin ich eher technikaffin und suche noch nach Programmen, die mich in den verschiedenen Prozessphasen optimal unterstützen. Zumindest fürs Schreiben bin ich mit Ulysses gerade äußerst zufrieden und würde das auch empfehlen (und nicht nur, weil ich für Ulysses im Kundendienst arbeite). Allerdings ist die App nur für Apple-Geräte erhältlich.

Was hast du für den Vorher-Nachher-Vergleich ausgewählt und warum?

Ich habe keinen Auszug aus meinem Romanprojekt mitgebracht, weil ich derzeit nur die Erstfassung habe. Für den Vergleich habe ich daher den Anfang der Erzählung The Marvelous Misfits of Westminster gewählt. Die Erzählung war mein Abschlussprojekt für die Coursera-Spezialisierung “Kreatives Schreiben”. Ich habe den Anfang ausgesucht, weil die Geschichte ein Problem hatte: Ich habe nicht sofort genügend Spannung aufgebaut, um die Lesenden in die Geschichte zu ziehen. Erst in der fünften Version ist mir eine Lösung für das Problem eingefallen. Die Geschichte hat eine kleine Rahmenhandlung bekommen, die im Präsens spielt. Ich finde, dass die Geschichte durch die Rahmenhandlung Neugier weckt und die Leseerwartung besser in die gewünschte Richtung lenkt.

Ist aktuell schon das zweite Buch geplant?

Ja, die Plots für zwei weitere Romanprojekte warten bereits in der Schublade auf mich. Mein Lernziel ist jetzt aber erstmal Jelina & Jaro zur Veröffentlichung zu bringen. Da ich mich und meine Arbeitsweise kenne, denke ich, dass es noch ein paar Jahre dauern wird, bis ich die anderen Projekt anfangen werde. Aber ich bin sehr optimistisch, dass die nächsten Bücher einen schnelleren Entstehungsprozess haben werden.

Was würdest du hinsichtlich des Schreibprozesses beim Schreiben des zweiten Buchs anders machen?

Ich bin zwar erst beim Re-Draft, aber ich habe für diesen Arbeitsschritt bereits meine Herangehensweise geändert. Den ersten Szenenplan habe ich sehr ungenau angelegt. Dass einige Szenen nicht so spannend waren wie andere, erschien mir damals kein großes Problem – beim Schreiben war das allerdings ein riesiges Problem. Ich war demotiviert, diese Szenen zu schreiben und danach mit den Szenen sehr unzufrieden. Die entstandene Rohfassung kann ich darum auch so nicht wirklich gebrauchen. Sie hat mir aber die Schwachstellen meiner Geschichte verdeutlicht und die versuche ich im Re-Draft anzugehen: mit mehr Kompetenz, einem besseren Plot und einem durchdachteren Szenenplan ohne langweilige Szenen. Mal schauen, ob mir das gelingt.

Alle Bücher von Andrea Hahnfeld

"

Share on facebook
Share on pinterest
Share on email

Ähnliche Beiträge

Arbeitsplatz von Barbara Beekmann

Barbara Beekmann

Barbara Beekmann hat ihren ersten Roman mit 67 Jahren veröffentlicht. Inzwischen sind es sechs. Ihre Romane sind biographisch inspiriert.

Mehr lesen
Andrea Hahnfeld

Andrea Hahnfeld

Author in the Making

Hallo, ich bin Andrea, lebe in Leipzig und arbeite gerade an meinem ersten Roman. Schreiben gehört schon seit meiner Kindheit zu meiner liebsten Art mich kreativ auszudrücken. Ich erzähle gerne Geschichten. Außerdem finde ich das kreative Schreiben interessant, weil es handwerklich anspruchsvoll ist.

Andrea Hahnfeld

Steckbrief
So sieht mein Schreibort aus
Mein Arbeitsplatz
Mein liebstes Schreibzitat
Quote by Natalie Goldberg: Find your way as a noodle.
Mein erster Roman
Jelina und Jaro. Buchcover
Eckdaten
Inhalt
Das Leben der sechzehnjährigen Jelina ist alles andere als normal. Immer wenn das Mädchen wütend wird oder Angst bekommt, erwacht ihr Schatten zum Leben, um sie zu beschützen – notfalls mit Gewalt. Ihr Vater, der Graf von Grimmstein, schottet seine Tochter deshalb von der Außenwelt ab. Nur wenige leben mit den beiden auf Burg Grimmstein, denn niemand soll von Jelinas dunkler Seite erfahren. Wenn der Schatten erwacht, hat nur das Kindermädchen Lone dank magischer Kräfte Jelina unter Kontrolle. Als durch Jelinas Schuld eine Frau stirbt, bekommt das Mädchen es mit der Angst zu tun. Sie will ihrem Schatten entkommen. Aber wie? In ihrer dunkelsten Stunde taucht wie aus dem Nichts der geheimnisvolle Jaro auf. Der bleiche Junge mit den nachtschwarzen Augen und dem Silberhaar behauptet, schon immer auf Burg Grimmstein gelebt zu haben. Er bietet Jelina seine Hilfe an.
Vorher vs. Nachher