Biografisch schreiben mit Foto

Selbstporträt mit Foto Schreibübung

Du möchtest autobiografisch schreiben? Dann solltest du regelmäßig Material sammeln, auf das du später zurückgreifen kannst.

In diesem Blogartikel stelle ich dir zwei Methoden vor, wie du Fotos fürs autobiografische Schreiben nutzen kannst:

Selbstporträt mit Foto

Mit der Selbstporträt-Methode fängst du einen Moment umfassender ein. Während das Foto eine visuelle Erinnerung an den Augenblick ist, stellt das Erzählen eine Anreicherung dar, die du später vielleicht einmal für eine autofiktive oder autobiografische Geschichte fruchtbar machen kannst.

Aber auch ohne ein solches Vorhaben lohnt es sich, regelmäßig kurze Selbstporträts zu schreiben. Auf diese Weise hast du später einmal viele kurze Zeitdokumente von dir.

Am besten funktioniert die Methode, wenn das Foto und deine Erinnerungen an den Moment noch frisch sind.

So geht’s

  • Wähle ein Foto von dir. Es ist nicht wichtig, ob du selbst oder ein andere es von dir gemacht hat. Das Foto visualisiert den Augenblick.
  • Beschreibe nun den Augenblick und setze ihn in den Kontext einer kleinen Geschichte.
  • Schreibe im Präsens und nutze die Methode des Freewriting. Beziehe dich beim Erzählen auf möglichst viele Details:
    • Wo bist du? Was passiert gerade? Was passierte kurz davor bzw. danach?
    • Wer hat dich fotografiert?
    • Was denkst du gerade?
    • Wie ist das Wetter?
    • Welche Kleidung trägst du gerade und warum?
  • Du darfst deinen Text noch einmal durchlesen und korrigieren. Verändere ihn danach aber nicht mehr, sodass er wie ein richtiges Zeitdokument unverändert altern kann.

Selbstporträt mit Foto – konkret

Wie immer habe ich die selbst Methode ausprobiert und bin ganz begeistert. Es kam schnell ein kurzer Text zusammen, der mehr über mich verrät als das Foto allein.

Selbstporträt einer Frau in den besten Jahren

Erinnerungen mit Fotos wach schreiben

Während das Selbstporträt vor allem dazu dient, einen gerade erlebten Moment umfassender zu dokumentieren, kannst du die zweite Methode zur (Re-)Konstruktion nutzen. Die Methode eignet sich vor allem für Fotos aus der Vergangenheit. Weil die Aufnahme länger zurück liegt, ist die Erinnerung unvermeidbar mit Informationen über den weiteren Verlauf deines Lebens verknüpft. Aufgrund der zeitlichen Distanz zum gewählten Foto ist diese Methode daher besonders fürs autofiktive Schreiben geeignet, bei der du bewusst literarische Mittel einsetzen kannst.

Als Beispiel könnte dir Der Liebhaber von Marguerite Duras dienen. Eine Fotografie, die sie in jungen Jahren zeigt, ist Ausgangspunkt für Duras Erzählung:

„Ich denke oft an jenes Bild, das einstweilen nur ich sehe und von dem ich nie gesprochen habe. Es ist immer noch da, in der gleichen Stille, wunderbar. Es ist das einzige Bild von mir, das mir gefällt und das einzige, in dem ich mich wiederkenne und welches mich entzückt. […] Jetzt sehe ich, dass ich sehr jung, mit achtzehn, mit fünfzehn, ein Gesicht hatte, in dem jenes andere vorweggenommen war, das mir Später der Alkohol in mittleren Lebensjahren beigebracht hat.“

Duras: Der Liebhaber (1984), Seiten 7/13

Duras nutzt zum Einen das Mittel des Flash-Forward, in denen sie kommende Ereignisse vorwegnimmt:

„Es wird noch einige Jahre dauern, bis sie mich verliert, bis sie diese da verliert, dieses Kind. Um die Söhne brauchte sie nicht zu bangen. Aber die Tochter, das wusste sie, würde eines Tages weggehen, würde es schaffen, sich zu lösen.“

Duras: Der Liebhaber (1984), Seite 30

Zum Anderen arbeitet Duras mit häufigen Wiederholungen (sowohl lexikalischer als auch grammatikalischer Art), wodurch der Text beinahe poetisch anmutet:

„Sehr bald in meinem Leben war es zu spät. Mit achtzehn war es zu spät. […] Mit achtzehn bin ich gealtert. […] Dieses Altern war jäh.“

Duras: Der Liebhaber (1984), Seite 7

So geht’s

  • Wähle ein Foto aus deiner Vergangenheit.
  • Beschreibe das Bild und gehe auf möglichst viele Details ein.
  • Nutze dein Wissen über das, was kommen wird, um die Beschreibung erzählerisch zu verdichten.
  • Schreibe den Text so, dass sich die Leserin auch ohne das Foto als visuelles Hilfsmittel, ein treffendes Bild machen kann.

Erinnerungen mit Fotos wach schreiben – konkret

Diese Methode hat mir besonders viel Vergnügen bereitet. Ich habe sie bereits mit mehreren Fotos ausprobiert und es kamen immer tiefgründige Texte heraus, die mir halfen, mein Leben und meine Vergangenheit neu zu begreifen.

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Quellen

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