Verbotene Liebe

Liebesszene 1 Verbotene Liebe Lumpenbündel

Romanprojekt

In meinem Young Adult Roman geht es um die Zwillinge Jelina und Jaro von Grimmstein, die von der schwarzen Nonne, einer mächtigen Hexe, verflucht werden. Die beiden Begegnungsszenen sind Teil der Vorgeschichte, die erzählt, wie Tilda (meine Antagonistin) zur schwarzen Nonne geworden ist und weshalb sie die Familie von Grimmstein hasst.

Kontext

Vor den Toren Merkenaus überwintert eine Schaustellertruppe. Einer der Bewohner ist schwer erkrankt. Ein Junge wird ins Dorf geschickt, um Hilfe zu holen. Im Haus der Heilerin Hilderun findet er aber nur Tilda, Hilderuns siebzehnjährige Tochter.

Vorwissen

Der Winter ist ungewöhnlich lang, die Vorräte werden langsam knapp. Tildas Mutter ist auf Burg Grimmstein, weil die Gräfin in den Wehen liegt. Tilda darf eigentlich keinen Kontakt zu den Schaustellern haben. Der erkrankte Bewohner, der im Sterben zu liegen scheint, wird von der Schaustellertruppe gefangen gehalten.

Liebesszene 1

Eine dicke Lage Stroh polsterte den Boden. Es war schon länger nicht mehr gewechselt worden und mit Exkrementen durchtränkt. Tilda starrte auf den Schmutz zu ihren Füßen. Selbst ihre Schweine hatten einen gepflegteren Stall.

Der Bärtige lachte über Tildas entsetzten Blick.

„Der Mist wärmt“, sagte er.

„Täte ein Ofen auch“, sagte Tilda.

Im Halbdunkel erkannte sie ein Bündel Lumpen. Es lag in der Wagenecke und bewegte sich kaum merkbar auf und ab.

„Das gute Holz an einen Wilden verschwenden?“ Der Bärtige schnaubte als hätte Tilda den Verstand verloren.

„Ich dachte, dieser Wilde sei Eure Hauptattraktion“, erwiderte Tilda kühl.

Ohne seine Antwort abzuwarten, watete sie durch den knöchelhohen Mist auf das Lumpenbündel zu. Dabei atmete sie tief durch die Nase. Das hatte sie von ihrer Mutter gelernt.

„An schlechte Gerüche gewöhnst du dich am besten schnell“, pflegte sie zu sagen.

Schlechte Gerüche gab es an Krankenlagern viele. Von Kot und Urin. Von ungewaschenem Mensch und nahendem Tod. Tilda sog sie entschlossen ein.

Neben dem Lumpenbündel ging das Mädchen in die Hocke. Ein Mensch lag darunter verborgen. Aber mehr als einen Hinterkopf mit kohlschwarzen Haaren sah Tilda nicht. Der Wilde hatte sich in die Lumpen eingegraben, als suche er einen Weg zurück in den Schoß der Mutter. Tilda hatte noch nie so dunkle Haare gesehen.

„Hast wohl gar keine Angst, Kleine“, raunte ihr der Bärtige ins Ohr.

Tilda zuckte zusammen. Der massige Mann war ihr gefolgt. Leise wie eine Katze. Die faulige Wärme seines Atems ließ sie schaudern. Tilda beachtete den Bärtigen nicht weiter, der jede ihrer Bewegungen argwöhnisch verfolgte. Sie konzentrierte sich stattdessen auf den vertrauten Widerstand zwischen ihren Brüsten. Eingenäht ins Mieder war eine Lederscheide. Darin steckte ein kleines aber sorgfältig geschliffenes Messer. Nur einen Handgriff entfernt. Sie würde sich schon zu verteidigen wissen, wenn der Bärtige handgreiflich wurde. Oder der Wilde.

Vorsichtig streckte sie die Hand nach dem Wilden aus, strich sein Haar zur Seite und legte ihm die Fingerspitzen an den Hals. Seine Haut war braun wie das Leder ihrer Schuhe. Vor allem aber war sie nass von Schweiß und glühend heiß. Den Puls des Wilden konnte sie kaum spüren.

Anmerkung

Dieser Text ist das Ergebnis der Schreibübung: Lass es knistern! Es ist der erste Entwurf, den ich zum Feedback eingereicht habe. Um zu diesem ersten Entwurf zu kommen, habe ich drei Überarbeitungsphasen benötigt. Diese Schreibübung hatte zwei Teile. Zum zweiten Teil “Ungewöhnliche Begegnung” geht’s hier.

Da ich auf The Story To Be zeige, wie der Prozess des Schreibens aussieht, korrigiere ich in Entwurfstexten bewusst meine Fehler nicht. Das soll dir zeigen: Fehler gehören zum Prozess.

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