Ein Montage-Gedicht schreiben

Montage-Gedicht schreiben

In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie das folgende Montage-Gedicht entstanden ist. Vom Sammeln der Sätze bis zum fertigen Gedicht solltest dir etwa 1-2 Stunden Zeit nehmen. Ich habe für mein Montage-Gedicht (ohne Video) 1,5 Stunden gebraucht.

Schritt 1: Inspirieren lassen

Wähle intuitiv Sätze, die dir gefallen und schreibe sie ab.

Die folgenden Sätze stammen aus Texten meiner Kommilitoninnen sowie aus eigenen Texten. Ich habe sie als Ausgangsmaterial für mein Montage-Gedicht verwendet.

  • Keine echten Briefe.
  • Das ist ungewöhnlich.
  • Ich finde auch das zu zweit Gegen schön.
  • Für Amor ist es zu spät.
  • Laufen geht schlecht.
  • Wir haben alle Umstände.
  • Hatte mir das alles lustiger vorgestellt.
  • Neinhörner kennt doch jeder.
  • Für mich ist es Zeit zu gehen.
  • Geh in den Nachbartunnel.
  • Die Linie aus Staub.
  • Die Erinnerung an dein Lachen tat weh.
  • Schon mal was vom echten Leben gehört?
  • Und die Beinarbeit ist auch nicht ohne.
  • Sie hat meinen Tod auch verpasst.
  • Sie ist Teil der Landschaft.
  • Ich bin die Langeweile.
  • Ich tue nichts.
  • Ich will nichts.
  • Alles Gute im Leben schmeckt von den Rändern her.
  • Lass uns überlieben.
  • Man sagt, sein Herz sei golden, ein Kämpferherz.
  • Greif dein Herz!
  • Mit dem Zug braucht man zwölf Stunden.
  • Mein Erfolg soll nach außen strahlen.
  • Jeder andere Tag auch.
  • Ich kriege keine Luft mehr.
  • Irgendwie ist das immer alles gleich.
  • Die Ratten hatten ihn zuerst gefunden.
  • Wann haben wir das letzte Mal getanzt?

Schritt 2: Rosinen picken

Suche dir die besten Sätze aus und reduziere die Anzahl so weit wie möglich.

  1. Ich finde auch das zu zweit Gegen schön.
  2. Für Amor ist es zu spät.
  3. Wir haben alle Umstände.
  4. Neinhörner kennt doch jeder.
  5. Die Linie aus Staub.
  6. Die Erinnerung an dein Lachen tat weh.
  7. Schon mal was vom echten Leben gehört?
  8. Sie hat meinen Tod auch verpasst.
  9. Sie ist Teil der Landschaft.
  10. Alles Gute im Leben schmeckt von den Rändern her.
  11. Man sagt, sein Herz sei golden, ein Kämpferherz.
  12. Mit dem Zug braucht man zwölf Stunden.
  13. Irgendwie ist das immer alles gleich.
  14. Die Ratten hatten ihn zuerst gefunden.
  15. Wann haben wir das letzte Mal getanzt?

Schritt 3: Verändern

Kürze die Sätze und tausche einzelne Wörter aus.

  1. Das Gehen zu zweit ist schön.
  2. Für Amor ist es zu spät.
  3. Alle haben Umstände.
  4. Neinhörner kennt doch jeder.
  5. Die Linie aus Staub.
  6. Die Erinnerung an dein Lachen tut weh.
  7. Schon mal das echte Leben gehört?
  8. Sie hat meinen Tod verpasst.
  9. Sie ist Teil der Landschaft.
  10. Alles Gute im Leben schmerzt von den Rändern her.
  11. Man sagt, sein Herz sei golden.
  12. Mit dem Zug braucht man zwölf Stunden.
  13. Irgendwie ist immer alles gleich.
  14. Die Ratten haben mich zuerst gefunden.
  15. Wann haben wir das letzte Mal getanzt?

Ändere die Reihenfolge.

  1. Schon mal das echte Leben gehört?
  2. Irgendwie ist immer alles gleich.
  3. Neinhörner kennt doch jeder.
  4. Das Gute schmerzt von den Rändern her.
  5. Das Gehen zu zweit ist schön.
  6. Wann haben wir das letzte Mal getanzt?
  7. Für Amor ist es zu spät.
  8. Man sagt, sein Herz sei golden.
  9. Die Linie aus Staub.
  10. Sie ist Teil der Landschaft.
  11. Mit dem Zug braucht man zwölf Stunden.
  12. Die Erinnerung an dein Lachen tut weh.
  13. Sie hat meinen Tod verpasst.
  14. Die Ratten haben mich zuerst gefunden.
  15. Alle haben Umstände.

Schritt 4: Neues hinzuerfinden

Arrangiere die Sätze und füge Eigenes hinzu.

Schon mal das echte Leben gefühlt?
Ein Neinhorn, das jeden kennt.
Irgendwie ist alles gleich.
Nur das Gute schmerzt vom Rand her.
Wie dein Lachen.

Wann haben wir das letzte Mal getanzt?
Mit dem Zug zu dir: zwölf Stunden.
Für Amor ist es längst zu spät.
Die Ratten haben mich gefunden.

Schon mal das echte Leben gefühlt?
Und die wahre Liebe?
Man sagt, ihr Herz sei golden.
Aber sie ist eine Linie aus Staub.
Weil uns die Ratten finden.
Mit dem Zug zu dir: zwölf Stunden.
Nur…
Für Amor ist es längst zu spät.
Sterben zu zweit wär’ schön.
Doch die Ratten…

Schritt 6: Vorlesen und überarbeiten

Lies das Gedicht laut vor und mache den Feinschliff. Fertig ist das Montage-Gedicht!

Schon mal das echte Leben gefühlt?
Ein Neinhorn, das jeden kennt.
Irgendwie ist alles gleich.
Nur das Gute schmerzt vom Rand her.
Wie dein Lächeln.

Wann haben wir zuletzt getanzt?

Mit dem Zug zu dir:
zwölf Stunden.
Nur.

Für Amor ist es längst zu spät.
Die Ratten…

Schon mal die wahre Liebe gefühlt?
Man sagt, ihr Herz sei golden.

Dein Lächeln,
Eine Linie aus Staub.
Weil uns die Ratten finden.

Mit dem Zug zu dir:
zwölf Stunden.
Nur…

Für Amor ist es längst zu spät.
Die Ratten haben dich gefunden.

Variation 3: Vortragen

Das Video habe ich im Rahmen meines Studiums “Biografisches und Kreatives Schreiben” erstellt. Für das Erstellen des Videos habe ich LumaFusion benutzt. Die Video-Umsetzung hat wesentlich länger gedauert als das Erstellen des Montage-Gedichts.

Zuerst habe ich Eindrücke aus Berlin gesammelt. Dann habe ich etwa vier Stunden gebraucht, um aus den vorhandenen Materialen ein kleines Video zu machen. Unter anderem hat es so lange gedauert, weil ich nicht häufig Videos mache und LumaFusion zum ersten Mal verwendet habe.

Das Video mag nicht perfekt sein, aber ich bin trotzdem begeistert davon. Ich fand es spannend zu erleben, wie anders das Gedicht durch die szenische Umsetzung wirkt und finde, die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt.

@thestorytobe Für Amor ist es längst zu spät | Original Sound – Sugar Man (Sixto Rodriguez) | #spokenword #spokenpoetry #poem #poetry #poemtok #sadpoem #poemart ♬ original sound – Andrea Hahnfeld

Anmerkung

Dieses Gedicht ist das Ergebnis der Schreibübung: Montage – Schreibe ein intuitives Gedicht aus Fundstücken.

Hast du Lust bekommen, selbst ein Montage-Gedicht zu schreiben? Lass dich inspirieren und poste dein Gedicht in den Kommentaren.

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